review: Schwesterherz – Kristina Ohlsson

Hej.

Ich habe gerade einen tollen Krimi von Kristina Ohlsson beendet und am 13.06.2017 erscheint schon der zweite Teil ‚Bruderlüge‘. Ein neuer schwedischer Ermittler, in einer Miniserie mit 2 Bänden. Und nach diesem grandiosen ersten Teil, brauche ich unbedingt auch den Zweiten!! Ich muss doch wissen, wie es weitergeht! ‚Schwesterherz‘ hat sich als unglaublich gutes Buch entpuppt und mich mit so einem spannenden Ende zurückgelassen. Das geht doch nicht 😀 Wer Lust auf ein Interview mit Kristina Ohlsson hat, kann HIER einmal vorbeischauen und wer beide oder ein Buch besitzt, kann auch bei Lovelybooks an der Tandem-Leserunde teilnehmen.

Am Tag, an dem diese Geschichte ihren Anfang nimmt, regnet es. Ein verzweifelter Mann stürmt ins Büro von Martin Benner und bittet den Anwalt, einen Fall zu übernehmen. Den seiner Schwester, einer fünffachen Serienmörderin, bekannt als Sara Texas. Allerdings gibt es einen Haken: Seine Schwester ist längst tot. Und niemand weiß, warum ihr kleiner Sohn seitdem verschwunden ist. Nur wenn dieser aussichtslose Fall erneut aufgerollt wird, kann das Kind gerettet werden. Benners Neugier ist geweckt, und er nimmt das Mandat an …

Das Buch beginnt damit, dass Protagonist Martin Benner mit einem Journalisten ein eher ungewöhnliches Interview führt. Seine Geschichte solle erzählt werden und zwar wahrheitsgemäß, weil sie so Klischee behaftet sei. Und da gebe ich ihm recht, dass ist diese Geschichte wirklich. Anfangs hat sich mir dieses Interview überhaupt nicht erschlossen. Zum Ende hin verstand ich es dann.

Ohlsson hat mit Martin Benner mal einen ganz anderen Protagonisten geschaffen: Kühl, verwegen und – sagen wir – egoistisch und untreu. Auf der anderen Seite aber auch aufopfernd und versteckt liebevoll. Martin durchlebt im Laufe der Geschichte eine unglaubliche Wandlung, das hat mir sehr gefallen, da diese Entwicklung spürbar war. Trotz seiner etwas eigenen Art, gefiel mir Benner. Es war mal etwas anderes und erfrischend. Auch Lucy gefiel mir. Sie war kein Dummerchen und keine Marionette, sie hatte ihren eigenen Kopf. Sie wirkte nicht wie ein Lahmer Sidekick, sondern fügte sich super in die Geschichte ein. Alle Nebencharaktere machten für mich Sinn und keiner reizte seinen Auftritt aus oder wirkte überflüssig. Gerade die amerikanischen Sheriffs wirkte – wie im TV – arrogant und bedrohlich.

Die Story fand ich klasse. Sehr verwirrend, aber durchdacht. Es machte richtig Spaß mitzufiebern und eigene Schlüsse zu ziehen. Zu Beginn war es so verworren, aber mit jedem Puzzleteil kamen neue Erkenntnisse dazu und machten die Geschichte eher spannender und warfen neue Fragen auf, als das sie welche lösten. Grandios! Stück für Stück kam man jedoch der Auflösung immer näher, ohne dass es übertrieben oder gar unrealistisch wirkte.

Mir gefiel ebenfalls der Mix aus europäisch-bekanntem und dem amerikanisch-unbekanntem Terrain. Die Korruptionen innerhalb mächtiger Organisationen und Menschen wie Boris! Das war übrigens mein Lieblingscharakter, herrlich. Die Stimmung war angespannt und rasant. Zwischendurch musste ich mal schmunzeln, da Martin gern mal einen lockeren Spruch auf den Lippen hatte, wenn er sauer war. Die Geschichte war nicht nur düster und hoffnungslos, sondern auch mal witzig – oft wohl eher aus Verzweiflung.

Für mich ein solides Buch, mit viel Spannung. logischen Ereignissen und darauf basierenden Ermittlungen. Leichter, flotter Schreibstil mit einem Hand zur unfreiwilligen Komik des Protagonisten und einer Menge Flüchen – aber das mag ich, ich fluche selbst sehr viel. Dieses Buch ist eins, das mir seit Langem wieder vollkommen gefallen hat, den Leser nur mit einem unverschämten Ende zurücklässt. Ein unverschämter Abbruch der Story, so ist man gezwungen den zweiten Teil zu lesen. Ich glaube niemand könnte mit diesem Ende leben 😀

1000%ige Leseempfehlung!! Ich fand es grandios.

Kristina Ohlsson – Schwesterherz – Limes Verlag – Broschiert – 14,99€ – 480 Seiten

 

 

review – Totenrausch: Bernhard Aichner

Hej.

Ich stöbere wieder viel und vor allem aktiv bei Vorablesen.de, das habe ich die letzten Monate ganz schön schleifen lassen. Ich habe meine Freizeit allgemein sehr schleifen lassen. Es geht immer nur um Arbeit, Nebenjob und Uni. Das macht krank – physisch, wie psychisch. Deshalb habe ich mir für 2017 vorgenommen, wieder mehr für mich zu machen – d.h unteranderem mehr lesen.

So zog am Montag ‚Totenrausch‘ bei mir ein und wurde am Mittwoch beendet 🙂 Unter dem Titel hatte ich mir gar nicht so viel vorgestellt und war auch ein bisschen enttäuscht, weil ich mich auch für ein zweites Buch beworben hatte und das eher mein Favorit war. Im Nachhinein bereue ich den Gedanken, weil ich ‚Totenrausch‘ klasse fand.

Die Frau, die in das Büro eines Hamburger Zuhälters stürmt, ist verzweifelt. „Ich brauche Pässe für mich und meine zwei Kinder.“ sagt sie. Und:“Wenn du mir hilfst, werde ich jemanden für dich töten.“

Ich habe ein Händchen für Fortsetzungen, deshalb handelt es sich bei dem Buch um das Finale einer Trilogie. Das Buch dreht sich um Brünhilde Blum – im Buch nur Blum genannt. Sie hat schreckliche Dinge getan und muss mit ihren Kindern die Flucht antreten. Zuerst im Ausland, verschlägt es sie nach Hamburg. Über etliche Ecken erfährt sie von jemanden, der ihr helfen kann. Sie braucht Pässe, um ein neues Leben zu beginnen, in das Alte kann sie nicht zurück. Und ausgerechnet die Zuhältergröße – König der Nutten – Egon Schiele soll ihr dabei helfen. Blum fordert und macht ihm ein Angebot. Sie begibt sich in eine Welt, dessen Gefahren sie nicht einschätzen kann. Anfangs ist alles rosig – nicht greifbar, zu schön um wahr zu sein. Friedlich, normal – es kehrt Ruhe ein. Doch dann steht Schiele vor der Tür und fordert die Einlösung ihres Angebotes.

Ich bin noch immer fasziniert von Aichners Schreibstil. So locker, flockig und dennoch so einvernehmend, dass die Seiten wie im Flug an einem vorbeirauschen. Er wirft ein paar Buchstaben hin und man liest sie gierig weg, wird angefixt – süchtig gemacht. Und dann kann man nicht aufhören. Lediglich der Schlaf zwingt einen dazu, dieses Buch beiseite zu legen. Auch wenn Aichner die Szenen nicht grandios und pompös ausschmückt, sind sie in ihrer Wirkung nicht zu verachten. Nicht umsonst heißt es: weniger ist mehr. Das Buch durchzieht eine angespannte Stimmung – die durch den harschen Ton, der dort herrscht, zusätzlich gestärkt wird. Man fühlt sich wie auf dem Kiez – Reeperbahn, Nutten, gescheiterte Existenzen, Notlagen, dreckiges Geld. All das spürt man, auch wenn Aichner Egon Schiele anfangs als charmanten Gönner darstellt.

Blum ist eine taffe Frau, die ihre Kinder schützen will. Sie versucht ihnen ein normales Leben zu ermöglichen. Sie sollen nicht wegen ihrer Fehler leiden. Deshalb nimmt sie vieles in Kauf. Demütigungen, Erniedrigungen, Angst, Schmerz und körperliche Hochleistungen. Eine harte Frau (Bestatterin – sie hat schon so einiges gesehen), die für ihre Kinder alles tut und über Leichen geht – im wahrsten Sinne des Wortes. Totenrausch bekam für mich somit nach ein paar Kapiteln eine eindeutige  Bedeutung. Schiele fand ich ein bisschen zu übertrieben. Nicht, dass ich mich hier in meiner Heimat super gut auf dem Kiez und in der Prostitutionsszene auskenne, aber es war schon sehr filmreif, was der gute Schiele dort ablieferte. Aber ich weiß auch nicht, wie es dort im echten Leben zugeht.

Aichner hat ein tollen Thriller mit viel roher Kraft (die nicht sinnlos waltet) und einer wütenden Mutter auf Papier gebracht. Eine Menge anzüglich und raues Vokabular muss der Leser hier aushalten können, denn auf dem Kiez haben ‚Bienchen und Blümchen‘ nichts zu suchen.

Den Teil kann man unabhängig von den ersten beiden Büchern lesen, denn Aichner gibt immer wieder ein paar kleine Rückblenden. Wer allerdings lieber chronologisch liest und das Ende nicht vorher wissen will, der sollte erst die anderen beiden Teile lesen 🙂 Ich lese sie nachträglich, das finde ich persönlich nicht allzu schlimm. Von mir gibt es für dieses Buch die volle Leseempfehlung! Trotz kleiner Abstriche in der ‚Beseitigungsspalte‘ 😀 Etwas unrealistisch und penibel kamen mir die Reinigungsarbeiten vor. Aber was weiß ich von Tatortbereinigungen.

Ich möchte euch das Buch “nackig‘ nicht vorenthalten. Es fühlte sich ohne den Schutzumschlag sehr gut an und sah natürlich auch schick aus. Die Kapitel und Seitenzahlen waren hier mal andersfarbig 🙂 Etwas anderes. Vom Auspacken, zum Lesen, zum Nackig-machen 🙂 Durchweg ein tolles Werk!

Details: Bernhard Aichner – Totenrausch * 480 Seiten * Hardcover – 19,99 * btb Verlag * erhältlich seit: 09.01.2017

 

Tödliche Nachbarschaft – Viveca Sten

Hej.

Eigentlich habe ich heute ein Paket erwartet, aber scheinbar ist DHL jetzt schon gnadenlos überfordert … da fragt man sich dann auch, warum man Amazon Student hat, wenn es eh nicht schneller kommt. Mh, vielleicht dann morgen. Dann schreibe ich jetzt eben die Rezension und lese kein neues Buch – tzz.

Ich habe den 7. Band von Viveca Sten heute beendet. Die Bücher von Sten zu lesen ist mittlerweile wie ein ’nach Hause kommen‘. Man kennt die Charaktere, hat sie lieb gewonnen. Man ist mit ihnen durch dick und dünn gegangen. Ich habe Thomas und Pernilla begleitet als ihr Kind gestorben ist und sie sich getrennt haben. Ich war dabei als sie wieder zueinander fanden. Ich habe Nora und Hendrik begleitet und scheitern sehen. Ich verfolge ihre jetzigen Beziehungen. Noras und Thomas Freundschaft hat all die Jahre nicht wirklich gelitten. Es ist immer wieder schön nach Sandhamn zurück zu kehren. ‚Mörderische Ufer‘, Stens 8. Roman um Nora und Thomas, erscheint im April 2017 🙂

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Im neusten Teil zieht eine sehr wohlhabende Familie nach Sandhamn. Dies stört viele der Inselbewohner. Nicht primär die Familie und ihr Geld, aber das riesige und protzige Haus, welches sie haben bauen lassen. Es ist vielen Bewohnern der Insel ein Dorn im Auge. Da der neue Besitzer sich auch mehr als arrogant verhält und viele Vorschrift beim Bau missachtet hat, macht dies den Einstieg der Familie nicht gerade einfacher. Dies stört vor allem die Alteingesessenen. Carsten Jonsson zieht mit seiner Frau Cecilia und seinen Kindern Oliver und Sarah inklusive Kindermädchen in das neue Haus. Doch der äußerliche Glanz des Paares trübt. Hinter der Fassade des Geschäftsmannes und der hübschen Frau bröckelt es gewaltig.

Im Laufe der Geschichte lernt der Leser viel über Carstens Vergangenheit (korrupt, illegal) und wie er zu seinem Geld gekommen ist. Besonders leid tat mir Cecilia, eine Klischeefrau und -mutter. Keine Aufmerksamkeit von ihrem Mann oder sonst irgendwem, Shoppen und die Kinder an das Kindermädchen abgeben. Sie wirkte geradezu überfordert und war für mich eine durchaus nervige Person. Sie bemühte sich nicht eine Mutter zu sein. Ständig hatte sie irgendwas und lag gefühlt nur im Bett. Ein schwacher, blasse Charakter auf den ich auch hätte verzichten können. Carsten hingegen hatte zu viele Facetten. Er war mir ein bisschen zu ‚drüber‘ – es war regelrecht anstrengend ihn zu ertragen. Ein Gleichgewicht der Facetten, verteilt auf beide Charaktere, hätte mir gefallen.

Auch Thomas und Nora waren in diesem Buch nicht sie selbst. Ihre Freundschaft geriet in diesem Buch eher in den Hintergrund. Diesmal lebten sie nur so nebeneinander her und waren Gelegenheitstäter, was das Melden beim Anderen betraf. In den vorherigen Büchern war ihre Freundschaft viel präsenter. Jetzt sind sie viel mehr mit sich selbst beschäftigt. Thomas ist an einem Punkt angekommen, an dem er seine berufliche Laufbahn in Frage stellt und Nora ist mit ihrer neuen Familie beschäftigt. Eigentlich ist ihre Freundschaft an einem sehr realen Punkt angekommen, denn wie oft zwingen uns Arbeit, Familie & Co. dazu, unsere Freunde zu vernachlässigen? Sehr oft. Vielleicht war ich durch die anderen Bücher und die Tatsache, dass Thomas der Patenonkel von Noras Jüngsten ist (der inzwischen ja auch älter und groß geworden ist), auch sehr verwöhnt im Bezug auf ihre Freundschaft.

In der Danksagung schreibt Sten, dass ihr das Schreiben dieses Buches schwer fiel. Ich finde, dass merkt man auch. Es hat einen ganz anderes Flair, als die anderen Bücher und war vom Lesen her auch anders. Teilweise wirkte das Buch sehr wütend – dies spiegelte sich für mich sehr in Carsten Jonsson wieder. Ab und an verlor ich das Interesse an der Story. Deshalb hat es wohl auch so lange gedauert, bis ich es beendet hatte. Normalerweise lese ich die Bücher von Sten fast in einem Rutsch durch.

Dennoch hat dieses Buch die von mir so geliebte Schwedenatmosphäre und ist ein ‚kleines Zuhause zwischen den Seiten‘. Ich warte auf den 8. Teil und hoffe, dass mich Viveca Sten mit dem Buch wieder richtig in ihren Bann ziehen kann.

 

 

Der Federmann – Max Bentow

Hej.

Ich habe eine Fuchsobsession – eine sehr große. Es sind einfach so schöne Tiere. In Verbindung mit dieser Obsession fallen mir natürlich Buchcover mit diesem Motiv auf. Und so kam es, dass ich ‚Das Hexenmädchen‚ von Max Bentow gelesen habe. Das war Coverliebe auf den ersten Blick. Ich fand das Buch super und hatte mir prompt über Rebuy die vorherigen Teile zugelegt und jetzt vor Kurzem auch ‚Das Dornenkind‚, weil ich bei Thalia schon sein neues Buch ‚Der Traummacher‚ entdeckt habe. Ich habe ein totales Händchen dafür, mitten in einer Reihe zu beginnen.

Ich bin bei Krimis und Thrillern immer wieder erstaut oder eher besorgt, auf was für kranke Ideen Autoren kommen können, ihre fiktiven Opfer zu töten und wie hier, zu arrangieren. Da tun sind schon manchmal Abgründe der menschlichen Psyche auf. Teilweise haben mich die detaillierten Schilderungen der Opfer wirklich unglaublich angewidert. Ich bekomme dann ja immer so ein Phantomkribbeln in den beschriebenen Körperteilen. Und Blut und ich stehen ja eh auf dem Kriegsfuß, dennoch ist das mein Lieblingsgenre. Es obliegt ja meiner Phantasie mir das Ganze oberflächlich oder total detailliert vorzustellen, manchmal kann ich meine Vorstellungen minimieren. Endlich rasant, endlich spannend – ein Wettlauf gegen die Zeit.


Bentows Schreibstil ist flüssig und frisch. Ich liebe die verschiedenen Perspektiven. Das finde ich auch in anderen Büchern wie bei Viveca Sten und Hakan Nesser immer wieder toll. Ich bekomme nie das Gefühl etwas zu verpassen. Ich bin immer dabei. ‚Der Federmann‚ war auch ein besonders spannendes Buch, ich konnte gar nicht so schnell lesen, wie ich den Fortgang wissen wollte. Am Ende war die Spannung für mich unerträglich und ich hab so mit Nils Trojan mitgefiebert. Endlich mal ein Buch mit durchgehender Spannung. Und vor allem, endlich mal wieder ein Buch, dessen Ausgang mich wirklich überrascht hat. Über so viele Ecken hätte ich nie gedacht.

Charaktere wie Nils Trojan finde ich wundervoll. Keine weltrettenden Superhelden, sondern bodenständige Menschen mit Fehlern und Ängsten. Keine übertriebenen Makel und kein komplett verkorkster Charakter, sondern ein Glaubwürdiger. Gescheiterte Ehe, pubertierende Tochter und Ängste, die er aus seinem beruflichen Alltag mit sich herum trägt. Menschlich macht ihn vor allem die Tatsache, dass er zu einer Psychologin geht um seine Ängste aufzuarbeiten. Ich finde diesen Charakter gelungen und fand nur gegen Ende des Buches, dass Trojan ein bisschen zu ’supermanlastig‘ war. Das war mir dann doch ein bisschen zu klischeehaft.
Jana Michels kennenzulernen war komisch, da ich sie aus dem vierten Band ja schon kannte. Sie war stehts bemüht, die Psychologin zu sein. Ich bin ehrlich und mag diese Rollen nicht. Immer dieses ‚Wie geht es Ihnen?‘ und ‚Haben Sie Angst?“, aber sie hat ihre Rolle seriös und glaubhaft verkörpert.
Ein bisschen eingeschoben wirkte für mich Trojans Tochter Emily. Sie erschien und wurde relativ schnell, aufgrund der Ermittlungen, wieder abgeschoben. Das fand ich traurig, denn so lernte man sie nicht richtig kennen. Sie wirkte auch immer sehr erwachsen und gefasst. Mal schauen, wie es so in den anderen Büchern wird.

Typisches Berlinfeeling stellte sich beim Lesen ein – wenn man denn schon mal dort war. Flippig, hip, aber auch altmodisch und bodenständig. Einzig und allein Trojans Fahrradfahrten quer durch Berlin konnte ich von der Entfernung nicht nachvollziehen. Kam mir immer super schnell vor.
Mich wunderte auch, dass trotz der grausamen Morde niemand etwas mitbekommen hat. Gerade in Wohnhäusern in denen man dicht an dicht wohnt. Vielleicht liegt das auch an der Anonymität in Großstädten, aber mitbekommen hat kaum jemand etwas.
Gegen Ende wurde es rasant und es ging von einem Schauplatz zum Nächsten. Ich fieberte so sehr mit Nils Trojan mit und war jedes mal enttäuscht, wenn er es war. Die Atmosphäre war teilweise bedrückend, ich traute mich kaum zu atmen. Ich muss gestehen, dass mich die Katze sogar ein-, zweimal erschreckt hat, wenn ich vor lauter Spannung in das Buch vertieft war.

Die Cover der Reihe finde ich klasse. Sie passen alle zusammen und es sieht echt schön im Regal aus. Mich nervt nur, das bei Rebuy für den Federmann ‚Page&Turner‘ als Verlag stand und ich fest mit der broschierten Ausgabe gerechnet hatte. Nun hab ich das Taschenbuch aus dem Goldmann Verlag, welches natürlich ein bisschen kleiner ist, als die anderen Bücher. Argh, das stört mich. Aber vllt. finde ich noch einmal eine broschierte Ausgabe. Mit dem neuen Buch in meiner Trojan-Reihe dem Dornenkind, kam ein drittes Format hinzu – jetzt habe ich kapituliert und aufgegeben, dass alle Bücher dieser Reihe die gleiche Größe haben. Leckt mich doch 😀

Endlich mal wieder ein spannendes Buch! Einziger Kritikpunkt war für mich, dass es zum Ende hin leider ein bisschen zu hollywoodmäßig wurde. Bin schon auf die anderen Bücher gespannt.

What if? Was wäre wenn – Randall Munroe

„Endlich exakte, wissenschaftliche Antworten auf weltbewegende Fragen:

Hätten wir genug Energie, um die ganze Weltbevölkerung von der Erde wegzubefördern?

Wann (wenn überhaupt) wird Facebook mehr Profile von Toten als von Lebenden enthalten?

Wenn man eine zufällige Nummer wählt und „Gesundheit“ sagt, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Angerufene tatsächlich gerade geniest hat?“

Ich habe mich dieses Jahr auf der Frankfurter Buchmesse spontan in dieses Buch verliebt, auch wenn es schon 2014 erschienen ist. Allein der Titel – „What if? Was wäre wenn? Wirklich wissenschaftliche Antworten auf absurde hypothetische Fragen.“ – hat mich schon auflachen lassen und ich musste einen Blick in das Buch werfen. Bei Rebuy hab ich es dann ergattert – ich muss gestehen, ich liebe Rebuy. Das ist wie ein Tierheim für Bücher und irgendwie habe ich auch immer Glück und die Bücher sehen dem angegebenen Zustand entsprechend aus. Meist sogar ungelesen.

Gespickt ist es mit einer Menge ‚Bildmaterial‘ zur Veranschaulichung. Und Himmel, ohne diese Bilder wäre es nur halb so komisch gewesen. Wie oft habe ich den Kopf geschüttelt über die Fragen, die beantwortet wurden. Jedes Mal dachte ich:“Wie kommt man nur auf sowas? Wann beschäftigt einen diese Thematik?“

Der Autor hat sich all dieser Absurdität hingegeben und seitenlange, wissenschaftliche Antworten verfasst – wer jetzt denkt:“ Mooooah, Wissenschaft – ihhhh Mathe, wie öde.“ der irrt sich gewaltig. Denn Munroe ist ein bisschen wie der Tim Taylor der Wissenschaft und haut auf die Fragen gerne mal ein bisschen ‚mehr Power – rawr, rawr, rawr‘ (die Tim Taylor-Generation weiß, was gemeint ist). So wird aus der Frage, welche Waffe sich in der Funktion eines Jetpacks eignet aus einer AK-47 gerne mal eine GSch-6-30 (ich bin jetzt übrigens Waffenexpertin) – fragt Google mal nach den beiden, dann wisst ihr was mit ‚mehr Power‘ gemeint ist.

Ich habe gefühlt eine Menge Wissen durch dieses Buch dazugewonnen – und damit meine ich jetzt nicht mein Waffenwissen :). Einzig und allein bei den extremen mathematischen Lösungen einer Frage habe ich kapituliert. Da hatte ich irgendwann nur noch Fragezeichen über meinem Kopf und hatte vor lauter Berechnungen schon die Frage vergessen. All den wissenschaftlichen Antworten konnte ich folgen und diese fand ich auch super spannend. Es ist schön gewisse Vorgänge mal aus einer anderen, vielleicht auch vollkommen absurden Sicht zu betrachten und dann sogar zu verstehen.

Ein kleines Highlight des Buches war die Rubrik „Seltsame (und beunruhigende) Fragen aus dem ‚What if?‘-Posteingang“

„Wie schnell müsste ein Mensch rennen, um von einem Schneidedraht für Käse in der Höhe des Bauchnabels durchtrennt zu werden?“

Auf diese seltsamen Fragen gab es dann keine Antworten, obwohl ich mich das mit dem Draht auf Höhe des Kopfes auch schon gefragt habe, zwar nicht mit einem rennenden, sondern einem auf der Mofa fahrenden Menschen. Hust … gab hier mal so eine kleine nervige Mofagang. Lange nichts mehr von denen gehört, vielleicht weiß ja einer der Nachbarn, wie schnell man in solch einen Draht fahren muss oder die haben jetzt endlich alle ihren Führerschein und ein Auto.

Noch kurz ein paar Infos zum Autor, für alle die sich fragen, warum zum Teufel man sich die Zeit und Mühe macht, solch ein Buch zu schreiben. Munroe (geb. 1984) hat die Webcomics Seite xkcd ins Leben gerufen und war Roboteringenieur bei der NASA – was ein wissenschaftliches und mathematisches Grundwissen (und evtl. Interesse) voraussetzt. Somit ist er nicht völlig durchgeknallt und hatte an dem Schreiben des Buches vielleicht sogar Spaß. Für alle, die der englischen Sprache mächtig sind, gibt es sogar einen ‚What if‘ Teil auf seiner Website.

Unglaublich lustiges Buch, welches ich uneingeschränkt empfehlen kann – außer man hasst Mathe und Naturwissenschaften so richtig und aus tiefstem Herzen.