review: It’s market day – Fabio Haebel

Hej,

eigentlich bin ich kein großer Kochbuch-Fan. Meist sind die Rezepte zu aufwändig oder es werden Zutaten benötigt die kein Mensch zuhause hat und nicht mal der lokale Supermarkt hergibt (sorry Jamie, ich liebe dein Kochbuch, aber deine Zutatenlisten sind für’n Arsch) – aber in dieses Buch war ich auf Anhieb verliebt. Dank Vorablesen hatte ich mal wieder das Glück, ein Kochbuch lieben zu lernen – ‚Lieblingsdesserts‘ und ‚Skandinavisch backen‘ hat Vorablesen meinem Herz auch näher gebracht.

Erstmal hat dieses Buch ein traumhaftes Cover – sorry Fabio, dass liegt nicht an dir, obwohl sehr nette Tattoos – sondern an den Farben und dem Lettering. Das Buch kommt nämlich mit einem total toll geletterten Titel (schreibt man das so?!) daher. Ich bin ja privat auch voll im Lettering-Fieber dank der guten Frau Hölle (das Buch dazu folgt in Kürze). Und dann ist das Buch auch noch in so tollen Farben gehalten: ein dunkles blau mit roségoldenem Titel – Hallo?! Wie geil ist das denn? Traumhaft! 🙂

Aber genug von den Äußerlichkeiten, wollen wir mal zum Charakter kommen: dem Innenleben. In dem Buch geht es um die ‚angesagtesten Märkte Europas‘ und dem Thema ‚frisch auf den Tisch‘. Quasi von der Tasche auf den Teller oder wie wir sagen: Vom Jute inne Schute! 😀 Fabio nimmt den Leser auf 8 verschiedene Märkte in ganz Europa mit.
Jeder Markt bekommt ein eigenes Kapitel. Eingeleitet wird jedes Kapitel mit einem ‚7 Dinge, die man über den … wissen muss‘. Dazu folgt eine ausführliche Beschreibung des jeweiligen Marktes und dessen Besonderheiten, plus einem Portrait einer Person, die Fabio Haebel dort kennt oder kennengelernt hat, die einem den Markt näher bringt. Jedes Kapitel bietet markt- und vor allem stadttypische Rezepte. Und da ist wirklich alles dabei: Vor- und Nachspeisen, Hauptgerichte, kleines für Zwischendurch – durch die Bank weg. Besonders klasse finde ich, dass die Rezepte wirklich kurz und knackig gehalten sind. Man sieht auf einen Blick, was für einen Schwierigkeitsgrad das Gericht hat, für wie viele Personen es ausgelegt ist und ob es sich um ein vegetarisches, veganes, fleischhaltiges oder alkoholhaltiges Rezept handelt.

Dieses Buch ist nicht nur eine hübsch fotografierte, lieblose Aneinanderreihung von Rezepten, dieses Buch hat Flair und Atmosphäre. Die Bilder und die Märkte wirken lebendig, man hört die Umgebung, man riecht die Düfte. Fabio Haebel hat nicht einfach nur Rezepte aufgeschrieben, er nimmt den Leser mit auf den Markt. Ein klasse Buch mit vielen leichten und leckeren Rezepten – vor allen Fabios-Bananen-Schmarrn hat es mir angetan. Eine super Resteverwertung für überreife Bananen, da außer Erdnussbutter, Bananen, Butter und Eiern nichts dafür benötigt wird 🙂 Traumhaft!

Alleine schon wegen der tollen Bilder, ist das Buch den Kauf wert. Die vielen schnell erklärten Rezepte – kulinarisch bunt gemischt – machen das Buch zu einem echten ‚Must have‘. 240 Seiten voller Essen und Lebensgefühl.

It’s market day – Fabio Haebel – Brandtstätter Verlag – Hardcover – 29,90 € – 240 Seiten

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review: Wildeule – Annette Wieners

Hej,

ich bin ja wieder im Krimi- und Thrillerfieber 🙂 Es ist einfach mein Genre, ich liebe diese Spannung, hach herrlich. Bei Vorablesen (ich bin ja wieder etwas aktiver unterwegs) habe ich dann die Leseprobe zu ‚Wildeule‘ gelesen und war gleich Feuer und Flamme. Natürlich wieder mal ein Buch, welches ich mitten in einer Reihe beginne. Natürlich kann man das Buch super völlig unabhängig lesen, aber ich bin ja ein Reihenkind. ‚Wildeule‘ gingen erst zwei Romane voran und zwar ‚Kaninchenherz‘ und ‚Fuchskind‘ (hach, wieder was für mich – Fuuuchs :D). Natürlich habe ich mir beide Bücher gleich bestellt, als ich merkte das mir die Protagonistin gefiel.

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Die ehemalige Kommissarin Gesine Cordes hat sich nach dem Tod ihres kleinen Sohnes aus ihrem alten Leben zurückgezogen. Erst in der Arbeit als Friedhofsgärtnerin findet sie Trost. Doch ihre geliebte Idylle wird jäh gestört, als während einer Beerdigung entdeckt wird, dass der Sarg nicht richtig geschlossen ist. Und nicht der erwartete Leichnam im Sarg liegt, sondern ein bekannter Bestattungsunternehmer – er wurde ermordet.

Gesine ermittelt undercover auf dem Friedhof. Bald gerät ausgerechnet ihr bester Freund, der Bestatter Hannes, unter Verdacht …

Ich finde den Schreibstil von Annette Wieners grandios. Am Anfang bin ich mit dem Buch nicht so richtig warm geworden, aber dann saß ich gestern im Bett und habe das Buch ab Seite 123 bis zum Schluss durchgesuchtet. Ja wohl, gesuchtet! Ich konnte nicht aufhören, die Seiten flogen nur so an mir vorbei. Lockerer Schreibstil und spannende Szenewechsel. Ich konnte gar nicht so schnell lesen, wie ich den Fortlauf der Geschichte wissen wollte.

Protagonistin des Buches ist Gesine Cordes und ich habe sie noch immer nicht ganz durchschaut. Sie ist sehr unnahbar. Aber sie ist eine lebensfrohe und sehr clevere Frau. Ich mag ihre Kombinationsgabe und auch ihren Hang zum Impulsiven und Absurdem. Dennoch wurde ich mit ihr nicht so warm, wie mit anderen Protagonisten aus anderen Büchern. Ich weiß nicht, woran das lag. Vielleicht daran, dass sie nicht nur zu den Charakteren im Buch, sondern auch zu dem Leser immer auf Abstand blieb. Es fehlte eine persönliche Note und das ist auch ein kleiner Minuspunkt an dem Buch.
Besonders klasse fand ich Marina Olbert, die leitende Ermittlerin und ihre Beziehung zu Gesine Cordes. Zwei Dickköpfe! Zum Schreien komisch.
Ein bisschen merkwürdig fand ich Gesines besten Freund, den Bestatter Hannes. Im Laufe des Buches hat er so einige Blitzideen, bei denen ich mir dachte ‚gehts noch‘?! Er wirkte von seinem Verhalten oft wie ein trotziges Kind, das hat mich unglaublich gestört. Sehr nervig.

Die Atmosphäre des Buches war sehr stimmig. Trotz des Mordfalles ging das Leben wie gewohnt weiter. Gesine ermittelte, während die Dorfbevölkerung auf der einen Seite erschüttert und auf der anderen Seite gleichgültig war. Es war wieder mal ein kleiner Exkurs in die menschlichen Abgründe einer Welt voller Macht, Geld, Gier und Betrug. Alles Bestandteile, die in diesem Fall eine Rolle spielen. Das Witzige war, dass man dies in der idyllischen Atmosphäre des Buches gar nicht richtig spürte. Erst Gesine und Marinas Ermittlungen förderten so einiges zutage. Und das fand ich gar nicht so schlimm. Ich habe so viele Bücher gelesen, die in irgendwelchen Bonzenvierteln spielten – gar nicht mein Ding. Mir gefällt die ländliche Idylle und die Ruhe, die der Friedhof ausstrahlt. Das Buch scheint in einen ganz eigenen Zeitrhythmus zu haben. Vielleicht wurde ich deshalb nicht so schnell warm mit dem Buch, weil ich ein eher hektischer Mensch bin.

Der Verlauf der Geschichte war logisch und nachvollziehbar. Außer Hannes, der hat immer wieder quer geschossen. ‚Um Himmels Willen, Hannes!‘ Damit hat er natürlich den Verlauf und vor allem den Verdacht immer wieder in seine Richtung gelenkt, aber das war zu einfach und zu billig. Dachte ich zumindest. Ich habe mich von Annette Wieners durch das Buch führen lassen und ein, zwei falsche Abzweigungen genommen. Am Ende war ich sehr überrascht, als es zu Auflösung kam. Aber so muss das für mich sein. Spannend bis zur letzten Seite.

Die Cover finde ich grandios. Wie man weiß, bin ich ja eh kein Freund von Menschen auf dem Cover, ich habe lieber Landschaften oder ähnliches darauf. Das Cover des Buches wirkt ländliche und ein bisschen unheimlich.

Wildeule – Annette Wieners – List Verlag – Broschiert – 9,99 € – 352 Seiten 

for the little ones: Bloss nicht blinzeln! von Tom Booth

Hej,

ich bin auch im Bereich Kinderbücher endlich mal wieder fündig geworden. Ich war sofort verliebt in das niedliche Cover und den Titel. „Bloss nicht blinzeln!“ von Tom Booth aus dem cbj-Verlag animiert seine Leser auf ganz besondere Art und Weise zum Mitmachen.

Wer zuerst blinzelt, hat verloren! Schon mal das Blinzelspiel gegen einen Elefanten gespielt? Oder gegen einen Fuchs, ein Krokodil, einen Gorilla – oder gegen alle auf einmal? Nein? Dann wird es höchste Zeit herauszufinden, wer die Augen länger offen halten kann! Was auch immer du tust, eins darfst du auf keinen Fall: blinzeln!

Das Buch kommt mit sehr liebevollen und dezenten Illustrationen daher. Süße Tiere, die gemeinsam gegen den Leser um die Wette starren. Und das tun sie wirklich, denn der Leser wird von dem Mädchen auch direkt angesprochen. Und langsam kommen immer mehr Tiere dazu, die gegen den Leser ein Blinzelspiel spielen. Doch wer gewinnt am Ende?

 

Eine total süße Idee und wenn man nicht vorliest, dann klappt das Blinzelduell auch richtig gut und es ist nur eine Frage der Augen, wer dieses Spiel gewinnt oder verliert (oder der Lese- und Umblättergeschwindigkeit des Vorlesers).

Das Buch ist für Kinder ab 3 Jahren konzipiert. Ein Buch mit lustigem und vor allem, von der Länge für die Zielgruppe, passenden Inhalt – passend zur Zielgruppe. Ein Mitmach-Buch für Vorleser und Publikum. Süße Illustrationen und wenig Text, dieses Buch lässt viel Spielraum für Eigenregie. Super niedlich, vollkommen überzeugt!

Das Buch erscheint am Montag im cbj-Verlag 🙂

Tom Booth – Bloss nicht blinzeln! – cbj Verlag – Gebunden – 12,99 € – 48 Seiten

review: Projekt Orphan – Gregg Hurwitz

Hej,

ich habe bei vorablesen.de mal wieder eine Menge Glück gehabt. Nicht nur, dass ich ein paar Titel die mir gut gefielen auch zugesandt bekommen habe, sondern auch, dass so vieles Interessantes für mich dabei war. ‚Projekt Orphan‘ von Gregg Hurwitz fand ich in der Leseprobe sehr ansprechend, das Buch selbst hat mich dann im Hinblick auf meine Erwartungen ein bisschen enttäuscht.

1-855-2-NOWHERE – „Brauchst du meine Hilfe?“

Evan Smoak ist der „Nowhere Man“. Ein unter Verbrechern angstvoll geflüsterter Name, den manche für einen Spuk halten. Er kämpft für diejenigen, die keinen Ausweg mehr haben. Dies ist seine Art, sich seine Menschlichkeit zu erhalten, nachdem er jahrelang unter dem Decknamen „Orphan X“ im geheimen Auftrag der US-Regierung getötet hat. Während er einer Jugendlichen hilft, den Fängen eines Mädchenhändlerrings zu entkommen, wird er überwältigt und entführt. Jetzt muss Evan all sein Können aufbringen, um sich selbst zu befreien, bevor es zu spät ist …

Denn es gilt weiterhin sein 10. Gebot: Lasse niemals einen Unschuldigen sterben.

Gregg Hurwitz ist Drehbuchautor in Hollywood. Das merkt man beim Lesen auch. Zuletzt habe ich seinen Namen beim Film ‚The book of Henry‘ gelesen. Das Buch war vom Schreibstil her flüssig und gut zu lesen. Die Seiten flogen nur so an mir vorbei. Das gefiel mir gut. Zwischendrin war es dank der sehr detaillierten Beschreibungen von Waffen, IT-Abläufen, Kampfangriffen und Kampfszenen unglaublich langatmig und langweilig. Ab und zu hatte ich das Gefühl ein Drehbuch in der Hand zu halten und wartete regelrecht darauf, dass jemand plötzlich ‚cut!‘ schreit.

Unter diesen vielen detaillierten Beschreibungen litt ein bisschen die Atmosphäre. An sich war die Story spannend und auch rasant, wenn der Verlauf durch die Beschreibungen nicht immer in die Länge gezogen worden wäre. Das hat mich total gestört. Für einen Thriller war es mir nicht spannend genug, ich fieberte nicht auf die nächste Szene hin, da ich Angst hatte, dass sie wieder mit einer langen Lagebeschreibung anfing. Dies hat mir das Buch echt ein bisschen madig gemacht. Auch den Verlauf an sich hatte ich mir anders vorgestellt, der Part mit dem Mädchenhändlerring ist sehr klein gehalten – Evans Fluchtversuche nehmen fast das ganze Buch ein. Nach knapp 300 Seiten habe ich nach Erlösung gebettelt, für mich und für Evan. Der Rest der Story folgte dann Schlag auf Schlag – da hat Hurwitz für mich falsche Prioritäten gesetzt.

Dabei bin ich Feuer und Flamme für Evan Smoak! Anfangs dachte ich, er sei ein aalglatter super Ex-Agent, der alles kann und unverwundbar ist, denn so wirkte er die ersten Seiten. Eine tödliche und präzise Maschine. Ich wurde schnell eines Besseren belehrt und das machte ihn so sympathisch. Mir gefiel besonders der Humor, den er auch in brenzligen Situationen behielt. Auch gefiel mir, dass viele Rückblenden in seine Vergangenheit stattfanden. Das machte ihn menschlich. Mir stieß kein Nebencharakter sauer auf, teilweise habe ich mich über einige (auch, wenn sie nur eingeschoben wurden) wirklich gefreut. Sie zeigten Seiten an Evan, die man nicht vermuten würde. Die Gegenspieler waren wirklich abgrundtief böse, aber auch Evan war nicht zimperlich. Das gefiel mir richtig gut. Was Gregg Hurwitz mit der Atmosphäre vermasselt hat, machten die Charakter teilweise wieder gut.

Die Szenen im Buch waren teilweise sehr brutal und schmerzvoll. Die Abläufe sehr rasant, ein Wechselspiel zwischen Verzweiflung und Erlösung. Und dann kam immer wieder die Langatmigkeit. Es hätte so ein gutes Buch sein können, wären da nicht die etlichen – zu ausführlichen – Erklärungen gewesen. Ich muss gestehen, dass ich nicht weiß, wie gewisse Kicks und Schläge in einigen Kampfsportarten heißen – hätte es mich sonderlich interessiert, wie die Herren sich im Buch gegenseitig zermatschen, hätte ich Google nutzen müssen. Eine Kampfszene kann auch ohne ‚Fachbegriffe‘ gut umgesetzt werden. Da meinte Hurwitz es zu gut.
Ich will aber nicht immer darauf rumreiten, denn es gab auch viel Gutes im Buch. Mich haben einige Szenen erstaunt, deren Werdegang ich so nicht erwartet hätte und das machte den Verlauf natürlich sehr spannend. Dennoch war es für mich bei Weitem kein Thriller, dafür fehlte es einfach an Spannung. Und leider ereigneten sich diese Szenen auf zu kurzem Zeitraum im Buch.

Wer auf Action und eine Menge Blut steht, macht bei dem Buch nichts falsch. Ein bisschen Gefühl ist auch vorhanden – nicht im Sinne von Romantik 🙂 Gut zum Lesen zwischendurch. Keine Buch von unglaublich viel Inhalt, eher ein gewalttätiges Feuerwerk. Viel Lärm um nichts sozusagen. Dennoch lesbar!

Projekt Orphan – Gregg Hurwitz – Harper Collins Verlag – Broschiert – 14,99 € – 480 Seiten

review: Sieh mich an – Mareike Krügel

Hej,

nach langer Zeit gibt es endlich mal wieder einen Roman. Ich bin ja immer total im Krimi- und Thrillerfieber, dass ich mich ewig nur in diesem Genre bewegen könnte. Aber der Klappentext und die Leseprobe hatten mich total neugierig auf das Buch gemacht.

„Wie konnte ich glauben, dass so was wie ein normales Wochenende überhaupt möglich ist, wenn ich etwas weiß, was sie nicht wissen?“

Weil Katharina eine folgenreiche Entdeckung gemacht hat, ist für sie nichts mehr, wie es war. Trotzdem läuft ihr ganz alltäglicher Wahnsinn weiter. Doch wie lange soll sie ihr Geheimnis für sich behalten? Denn plötzlich steht einfach alles auf dem Spiel: ihre Ehe, die Familie, das ganze Leben.

Mir war bewusst, dass es sich bei dem Buch inhaltlich um Krebs drehen würde. Ich war komplett darauf vorbereitet, denn ‚Krebsbücher‘ verleiten meine Tränendrüsen immer zur Überproduktion. Ich war bestens vorbereitet und am Ende kam es ganz anders. Es war eine komplett andere Art über ein ‚Tabu-Thema‘ zu sprechen, als ich es bisher gewohnt war.

Protagonistin in diesem Roman von Mareike Krügel ist Katharina Theodoroulakis – alleine der Nachname stellte mich schon vor die erste Herausforderung 🙂 Katharina ist Mutter von zwei Kindern, Alex und Helli und Ehefrau ihres hart arbeitenden Mannes Costas. Katharina ist unglaublich witzig und charmant – hat Musik studiert und hängt nun in Kindergärten herum, um musikalische Früherziehung anzubieten. Bis zu dem Tag, als sie das ‚Etwas‘ in ihrer Brust fand, war alles soweit in Ordnung. Plötzlich steht ihr ganzes Leben Kopf. Sie begreift, was sie für ihre Familie ist und was ihre Familie ohne sie wäre. Aber eben nicht auf die traurige Art, sondern auf eine wundervolle Art – die jedem seine Besonderheiten zugesteht.
Mit Katharina ist Mareike Krügel ein toller Charakter gelungen. Durch ihr Musikstudium hat sie einen – für mich zu starken – Hang zur klassischen Musik, welcher im Buch relativ häufig Erwähnung findet. Ansonsten ist sie unglaublich schlagfertig, witzig und eine sehr taffe Frau. Mit Katharina kommt man in diesem Buch sehr eng in Berührung, da es aus ihrer Perspektive geschrieben ist. Der Schreibstil Krügels ist leicht und emotionsgeladen – jedes Wort ein Treffer.

Alex, Helli, Theo und Heinz (das schwule Paar von nebenan) und auch Killian (ein alter Jugendfreund) lernt man nur nebenbei kennen. Alle sehr sympathisch, auf ihrer jeweils eigene Art. Am Besten gefielen mir Theo und Heinz – allein ihre Story und die Erlebnisse mit ihnen in diesem kurzen Buch sind schon so viele Lacher wert. Alex, Kathas Sohn, war für mich sehr gesichtslos und aalglatt. Er kam auch nicht allzu vor, viel mehr Platz nahm Tochter Helli ein. Diagnostiziert mit ADHS und unberechenbar, bildete sie das Gegenteil zu ihrem Bruder. Immer war etwas mit ihr, immer sprengte sie den Rahmen. Auf der einen Seite sorgte sie für Unterhaltung, auf der anderen Seite strapazierte sie meine Nerven ganz schön. Killian, Kathas alter WG-Mitbewohner zur Studienzeit, brachte die Katharina ohne Kinder hervor. Leicht, witzig, gackernd – ohne ihn wäre die Geschichte langweilig gewesen, weil diese – sehr menschliche – Facette von Katharina gefehlt hätte. Es ist wunderbar, wie jeder Charakter im Buch eine andere Seite an ihr zum Vorschein bringt.

Irgendwann während des Lesens fiel mir auf – weil es erwähnt wurde – dass es sich bei dem Buch um einen einzigen Tag in Katharinas Leben handelt. Gespikt von vielen Rückblenden in verschiedene Abschnitte ihres Lebens – aber es ist nur ein verrückter Tag ihres Familienlebens, das gefiel mir sehr gut und das hatte ich so auch noch nie gelesen. Und dieser Tag war auch wirklich rasant: Auftritt und Flucht aus der Schule, Hetzjagd auf Pferden, Daumen im Vorgarten suchen, brennenden Trockner löschen, Ratten fangen bei Minusgraden und eine alkoholisierte Fahrt in die Hauptstadt. Alles an einem Tag – ein bisschen überspitzt, aber warum nicht.

 

Das Buch hatte keine gerahmte Umgebung, es war eher ein ‚Gefühlsbuch‘. Die Umgebung rückte eher in den Hintergrund. Zwischendrin merkte man immer mal, dass es sich um den Norden handelt – quasi ein bisschen Heimat. Aber ansonsten wanderte man durch Katharinas Gedanken- und Gefühlswelt, mit vielen kleinen Haltestellen.
Ich bin ehrlich: besonders genervt war ich von dem Beziehungsdrama zu Ehemann Costas. Es schwirrten so viele Probleme und Missverständnisse im Raum, die mit ein paar klärenden Worten aus der Welt geschafft werden könnten. Und der Nachrichtenaustausch der Beiden war für mich sehr kindisch. Beide schmollen und sind  nachtragend, bis zu einem gewissen Punkt, ab dem alles wieder in Ordnung war. Das konnte ich nicht nachvollziehen und diese Passagen haben mich wirklich gestört.

Im Endeffekt hat mir das Buch sehr gefallen, weil es eben kein klassisches ‚Krankheitsbuch‘ war. Es war witzig, einladend und vielleicht ging es dadurch auch einfach anders ans Herz. Helli und Costas strapazierten meine Nerven zwar und für die Beiden gibt es Minuspunkte, denn die passten für mich zwischendurch so gar nicht rein, oder verhielten sich teilweise zu stark in die Gegenrichtung von Katharina, dass sie immer wie eine Ablenkung auf Abruf wirkten. Dennoch würde ich es weiterempfehlen – weil es eine schöne Reise in die Gedanken und Gefühle einer Frau ist, die sich darauf vorbereitet eine der schlimmsten Krankheiten in ihr Leben und ihre Familie zu lassen. Eine Frau, die versucht ein Wochenende nochmal als normale Mutter zu erleben, von ihren Gefühlen jedoch überrollt wird und sie sich fragt, ob alles so ist, wie es sein soll oder ob sie es noch ändern kann. Dieses Buch offenbart einem, dass es völlig in Ordnung ist, man selbst zu sein und zu bleiben.

Und zum Cover: ihr kennt mich ja. Da ist ein Fuchs drauf! 🙂

Sieh mich an – Mareike Krügel – Piper Verlag – Hardcover  – 20,00 € – 256 Seiten

review: Murder Park – Jonas Winner

Hej,

ich hasse es mich in meiner Freizeit entscheiden zu müssen, ob ich für die Uni lerne, nähe oder was lese -.- Aber ich bekomme es jetzt hin, wieder jeden Abend im Bett zu lesen. Leider bin ich meist so müde, dass ich nach ein paar Seiten einschlafe. Aber ich habe es geschafft einen wunderbaren Thriller zu beenden.

Willkommen im Murder Park.

Zodiac Island vor der Ostküste der USA ist ein beliebter Freizeitpark – bis dort ein Serienmörder drei junge Frauen auf bestialische Weise tötet. 20 Jahre später: Die Insel soll zur Heimat werden für den Murder Park – eine Vergnügungsstätte, die mit unseren Ängsten spielt. Paul Greenblatt wird zusammen mit elf weiteren Personen auf die Insel geladen. Dann beginnen die Morde. Ein Killer ist auf der Insel … keiner kann dem anderen trauen … die nächste Fähre kommt erst in drei Tagen …

Ich war sofort Feuer und Flamme, als ich den Klappentext gelesen hatte. Ich liebe Krimis und Thriller und dieses Buch hat mich sofort angesprochen. Wie oft wurde ich von Thrillern schon enttäuscht – die waren meist nicht mehr als dramatische Krimis oder sowas in der Art. Aber ich geben diesem Genre immer wieder eine Chance, denn es muss ja auch gute Bücher geben. So auch hier! Der Schreibstil von Winner hat mich sofort gefesselt und in den Bann gezogen, sodass ich meine erste Pause erst nach Seite 100, die wie im Flug vergingen, machte 🙂 Die Beschreibungen waren detailliert, realistisch und logisch und wirkten nicht gekünstelt oder überspitzt, um etwas zu erschaffen, was nicht vorhanden ist. Vor allem die Morde glänzten durch Winners Detailverliebtheit. Was ich auf der einen Seite immer echt klasse fand, weil es dann nicht wie eingeschoben wirkt, auf der anderen Seite ist es auch manchmal ekelhaft, wie detailliert ein Opfer zugerichtet und beschrieben wird. Bei Murder Park war es angemessen und schauderte mich immer wieder.

Die Charaktere fand ich alle gelungen und das kommt bei mir selten vor. Ich wurde im Verlauf der Geschichte immer skeptischer und dachte mir während des Lesens und den Interaktionen untereinander: ‚Na, wenn du mal nicht was verheimlichst oder Dreck am Stecken hast‘. Am Intensivsten kam der Leser mit Paul Greenblatt in Kontakt, da die Gesichte aus seiner Sicht wahrgenommen wird und der Leser seine Gedanken teilt. Mit allen anderen wird der Kontakt nur durch Paul oder durch die Interviews, die der Psychiater Sheldon Lazarus mit jedem Teilnehmer führte aufgenommen. In den Interviews erfährt der Leser, dass jeder der die Insel betritt ein Päckchen mit sich zu tragen hat. Und diese sich stückweise entwickelnde Story hat etwas unglaublich anziehendes.

Passend dazu war der Aufbau der Geschichte. Denn der Psychiater Dr. Sheldon Lazarus hatte vier Wochen im Vorfeld mit allen Teilnehmern des Wochenendtrips ein Gespräch geführt, welche aufgezeichnet wurden. Zwischen den Geschehnissen auf der Insel wurde immer wieder ein Interview mit einem Teilnehmer zwischengeschoben. Die Gespräche waren ein Einblick in die Abgründe der Teilnehmer, schürten somit Vermutungen und machten skeptisch. Dieser Perspektivwechsel steigerte natürlich auch die Spannung und lenkte (gerade nach einem Interview-Part) meine Gedanken oft in eine andere Richtung.

Das Setting war natürlich auch wundervoll gewählt: eine Insel. Hinzu kommt noch, das dort mal ein Vergnügungspark betrieben wurde, auf dem ein Serienmörder drei Opfer tötete. Unheimlicher kann ein Ort kaum sein. Genährt mit Erinnerungen, die jeder Teilnehmer auf unterschiedliche Art mit diesem Ort hat. Winner schaffte es mit seinen Worten, dass ich mich auf der Insel kein Stück heimisch fühlte und ein unangenehmer Hauch im Nacken hing. Die Erklärung des Initiators/Käufer dieser Insel und dessen Erläuterung seines Vorhabens empfand ich am Anfang als etwas merkwürdig. Ein Abenteuerpark für Singles – eine Art Singlebörse mit Gruselkennlerneffekt. Das hat mich am Anfang verwirrt und das war auch der einzige Punkt, der mir nicht gefiel. Aber ich bin auch kein Fan von solch Singleveranstaltungen. Davon abgesehen hat mich der Verlauf der Geschichte total überzeugt!

Das Cover des Buches hat mich sofort angesprochen und spiegelt nicht nur die Story des Buches, sondern auch meine Gefühle bezüglich der Atmosphäre wieder. Düster.
Ein sehr gut gewähltes Motiv welches definitiv halten kann, was es zu versprechen scheint. Murder Park ist seit langem mal wieder ein richtiger Thriller – einer, der den Namen auch verdient. Ein grandioses Buch mit dem Gänsehauteffekt!

Murder Park hat mich von der ersten Seite an begeistert, angesteckt und mitfiebern lassen. Das Ende war für mich völlig überraschend. Ich war am Ende einfach nur noch verwirrt, fühlte mich ein bisschen wie Paul, weil sich alles, was ich glaubte zu wissen, auflöste. Ich stand mit ihm gemeinsam vor keiner Erklärung. Top! Für dieses Buch gibt es eine totale und vor allem unbedingte Leseempfehlung! Und ich denke, dass weitere Bücher von Jonas Winner nun bei mir einziehen müssen 🙂 Fast hätte ich das Hightlight des Buches vergessen 😀 : Ich nehme an, es sollte als Lesezeichen fungieren – die tollen nostalgischen Eintrittskarten für den ‚Murder Park‘. Grandios!

Murder Park – Jonas Winner – Heyne Verlag – Broschiert – 12,99 € – 416 Seiten

review: Anschlag von Rechts – Reiner Engelmann

Hej,

heute geht es um ein Buch, welches eine sehr aktuelle Thematik aufgreift, nämlich Rechtsextremismus gegen Geflüchtete (oder wie ich im Studium gelernt habe: Menschen und Kinder mit Fluchterfahrung). Seit dem ‚großen Ankommen‘ der Geflüchteten ist dies ein Thema, welches wie kein anderes unsere Nation spaltet. Nun hat natürlich jeder, ja auch ich, seine eigene Meinung – die meist leider nur durch mediale Berichterstattung entstanden ist (nur ein Bruchteil hat sich mit den Geflüchteten 1-zu-1 auseinandergesetzt und sich direkt an der ‚Quelle‘ informiert). Natürlich verbreiten sich Nagativmeldungen in der heutigen Zeit wie ein Lauffeuer und dies schürt, im Zusammenhang von Straftaten und Geflüchteten, ein ungutes Gefühl.

Gerade weil ich viel mit diesen negativen Gefühlen konfrontiert werde, nicht Ich-Selbst, aber aus meinem Umfeld, sprach mich der Titel ‚Anschlag von Rechts‘ von Reiner Engelmann direkt an.

Irgendwo in einer Kleinstadt mitten in Deutschland treffen sich drei Freunde auf ein Feierabendbier. In den sozialen Netzwerken haben sie sich schon an ausländerfeindlichen Pöbeleien beteiligt. Nun werden sie zu Verbrechern, denn wenige Stunden später werfen sie einen Molotowcocktail in eine Flüchtlingsunterkunft. Die Bewohner, darunter auch Kinder, entkommen nur knapp.

Reiner Engelmann recherchiert die Hintergründe dieser schrecklichen Tat. Er analysiert die Beweggründe und er befragt die Opfer, die sich in Deutschland endlich sicher gefühlt hatten. Dabei wird deutlich: Rechtes Gedankengut und Fremdenfeindlichkeit sind in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen und viel zu lange unbeobachtet geblieben.

Und mit diesem Klappentext ist der Inhalt auch schnell erklärt. Es dreht sich alles um den Anschlag auf die Flüchtlingsunterkunft.  Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil geht es um die geflüchteten Familien/ Menschen aus Afghanistan, Somalia, Syrien, Pakistan und Simbabwe. Das war für mich der interessanteste Teil. Es war teilweise sehr erschreckend, was die Kinder und Familien gewohnt waren und das ihnen Deutschland beim Schlafen zu ruhig vorkam, weil sie keine Bombeneinschläge oder Gewehrsalven hörten. Dieser Teil hat mich betroffen gemacht. Der Leser bekommt hier einen Einblick in die Gründe der Flucht – mitfühlend beschreibt Engelmann diese ‚Reisen‘. Ein Einblick, der in seiner detailtreue in medialen Berichten viel zu kurz kam.

Die Thematik des zweiten Teils war, wie die Tat sich aufbauschen konnte. Etliche Senarie und Aussagen, wie man sie aus der Presse oder den Medien kannte. Besorgte Bürger nannte man sie immer. Dann die Tat, die Aufklärung, die Beweislast. Die Verteidigung des ‚Warums‘. Erklärungsversuche – der Versuch sich vom Rechtsextremismus zu distanzieren – Fehlverhalten.

Im letzten Teil wird das Urteil verkündet, welches als ‚erstes seiner Art‘ galt und noch hohe Strafen mit sich zog und Engelmann klärt im Anhang noch über diverse Themen zum Buch aus z.B. die Gründe, sein Land zu verlassen. Aber auch viele rechtsextreme Zeichen werden im Anhang erläutert.

 

Das Buch hat mir sehr gut gefallen und es war sehr einfach und verständlich geschrieben, was wohl an der Altersempfehlung ab 13 Jahren liegt. Dieses Buch hat mich aber auch betroffen gemacht. Die Geschichten der Familien und der Grund ihrer Flucht, vor allem der Verlauf ihrer Flucht, haben mich sehr berührt. Mit all den negativ Schlagzeilen aus den Medien ist daraus ein sehr wirres Bild entstanden. Sehr schockiert hat mich auch, dass die Täter davon ausgingen, dass es keine rechtsextremistisch motivierte Tat ihrerseits gewesen sein soll. Ich finde dieses Buch sollte im Schulunterricht Einzug finden. Wir entwickeln einen Tunnelblick, nicht nur die Lehrenden im Bezug auf ihren Unterricht, sondern auch die Schüler im Bezug auf ihr Lernverhalten bzw. die Inhalte, die sie an sich heranlassen (kennt man von sich selbst).

Was mich an dem Buch bzw. dem Autor sehr positiv gestimmt hat, ist die Tatsache, dass er Sozialpädagoge ist und mit Kinder zusammenarbeitet. Seine vorherigen Werke hatten ihren Schwerpunkt im den Bereichen: Mobbing, Kinderrechte, Zivilcourage und Auschwitz. Wichtige Themen, welche oft in Vergessenheit geraten, gerade im Bereich der jüngeren Leser.

Reiner Engelmann – Anschlag von Rechts – cbj Verlag – Hardcover – 14,99 € – 192 Seiten