Wenn die Welt nervt! – Teil I

Hej.

Zu dem Titel des Beitrages fallen mir eine Millionen Themen ein, deshalb ist dies nur der erste Teil. Heute geht es mir mal nicht um die Flüchtlingskrise, die neue Primark-Eröffnung in Hamburg-Billstedt (oh mein Gott, es wurde sogar nach Eröffnungsrabatten gefragt -.- wie billig soll billig denn noch sein) und auch nicht um den hier tagenden OSZE- Gipfel, sondern um das Thema:

Ungerechtigkeiten in der Sozialen Arbeit – leben am Ende der Nahrungskette 

Immer wieder, wenn ich Bücher, Artikel oder Blogposts über Mütter mit behinderten Kindern und dessen Schwierigkeiten mit alltäglichen Hilfen lese (aktuell: Alles inklusive von Mareice Kaiser) habe ich so ein Kribbeln in den Fingern. Das Gleiche habe ich immer dann, wenn es um Spenden für arme Kinder im Ausland geht – wie vielen Kindern fehlt es hier an existenziellen Dingen? Sonst schreit auch jeder: erst vor der eigenen Tür kehren! Doch für sowas sind alle blind. Wahrscheinlich ist es auch angesehener sein Geld ins Ausland zu schicken, anstatt hier für eine warme Mahlzeit oder Bildung für Kinder zu sorgen. Dann will ich auf die Straße gehen, in Behörden gehen. Ich will etwas ändern, ich will mich mit meinen Ideen sozial einbringen. Doch noch fehlt es mir an konkreten Ideen.

Ein weiteres Thema zum Aufregen ist für mich die geringe Wertschätzung der Sozialen Arbeit in Deutschland. Natürlich arbeite ich in diesem Bereich (sonst könnte ich mich jetzt nicht beschweren) und ich tue das gerne – also in dem Berufszweig arbeiten, nicht mich beschweren :). Es ist einfach mein Ding. Aber eine Familie könnte ich nicht ernähren. Urlaube? Kann ich mir nicht leisten! Es nervt mich, dass meine Arbeit nicht entsprechend entlohnt wird. Das ist auch kein Jammern auf hohem Niveau – das Niveau in der Sozialen Arbeit ist sehr tief – gar nicht mal die Leistung, die muss ja durch interne QM’s (Qualitätsmanagements) hochgehalten werden und man muss immer mehr können, immer mehr leisten. Nein, das Niveau der Bezahlung ist unterirdisch, wirklich unterirdisch. Ich kann das sagen, denn ich habe auch in anderen Berufszweigen gearbeitet (ich habe einen Vergleich und in keinem Zweig ging es mir finanziell so schlecht):

Lagerlogistik: ich habe noch nie so viel Geld mit so stupider, menschlich total unwichtiger Arbeit verdient. Überteuerte Kleidung für namenhafte Unternehmen in verschiedene Plastiktüten umverpacken. D-E-N  G-A-N-Z-E-N  T-A-G …

Telekommunikation: ich gebe zu, dass war gar nicht meins und ich war schlecht als Verkäuferin. Aber das Gehalt überstieg mein jetziges großzügig und ich habe lediglich Versicherungen für Mobiltelefone/ Smartphones an den Mann und die Frau gebracht.

Versicherung/ Büro: der wohl einfachste und gleichzeitig, nicht vertretbarste Job den ich je hatte. Geld ohne Ende – Boni wohin das Auge reicht (Einzelbonus, Gruppenbonus, Mitarbeiter des Monats, hier das Meiste – da das Meiste *kotz, würg*). Verantwortung gleich null, aber eine Wanne voll Geld. Stupide Büroarbeit, für Menschen ohne Moral und Ziele.

Jedes mal frage ich mich, warum ich mich in meinem jetzigen Beruf überhaupt so reinknie und abrackere. Warum ich meinen Lüdden jeden Tag auf’s Neue mein schönstes Lächeln schenke und jede mir gestellte Frage geduldig beantworte? Warum ich nicht einfach nur so viel tue, was ich finanziell dem Unternehmen wert bin? Warum ich neben meinem Studium und meinem 32 Stunden-Job (es sind ’nur‘ 32 Stunden damit ich, wenn der Urlaub für die Präsenzphasen nicht mehr reicht, jede Woche noch Stunden einarbeiten kann) noch regelmäßig und oft Babysitten gehe (ich bin 29!!), damit das Geld reicht. Ich habe eine Ausbildung gemacht und den Auftrag Kinder zu fördern und zu bilden. Ich bin Ersatz-Mami, Pflegerin, Entertainer, Krankenschwester, Seelsorgerin und Spielpartner. Ich gehe pflegerischen Tätigkeiten nach und gebe fremden Kindern so viel Liebe und Zuneigung wie sie brauchen und einfordern, um sich individuell und sichtbar zu entwickeln (was man nicht sieht, passiert nicht. Lieblingsspruch in dem Bereich *argh!*). Und trotzdem verdient jemand, der ein paar E-Mails zu Tarifverträgen an eine Versicherung schickt das Doppelte. Was ist in diesem Land verkehrt?

Wehe man ist mal krank und die Betreuung innerhalb der Gruppe ist nicht gewährleistet und die Kinder müssen mal vorzeitig abgeholt werden. Dann ist was los. In den Augen vieler hat man keine Freizeit, kein Privatleben und vor allem keine eigene Familie. Und wehe man wagt es, auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren. Mehr Geld für wachsende Aufgaben zu verlangen – mehr Geld für längere Betreuungszeiten und mehr Flexibilität zu verlangen. Darf ich erinnern, dass die Lufthansa-Piloten gestreikt haben und das bei einem Einstiegsgehalt von 55.000 – 73.000 € (man hätte doch gerne eine Angleichung an die erfahrenen Piloten, die verdienen immerhin bis zu 250.000 €) – ich verdiene nicht mal 20.000 €. Ich will einem Pilot keine Kompetenz absprechen, aber das ist Jammern auf hohem Niveau!

In meiner Familie ist dieser Soziale Zweig sehr ausgeprägt, ich gehe in meinem Beruf auf. Aber es reicht mittlerweile einfach nicht mehr. Ich kann auf Dauer nicht nur arbeiten, damit andere arbeiten können und meine Freizeit für Geld opfern, damit andere Freizeit machen können. Ich will reisen, Famile … das ist SO nicht möglich. Deshalb studiere ich, in der Hoffnung auf

a) einen besseren Job (ja und auch eine bessere Bezahlung), also besser gesagt mehr Qualifikation und

b) etwas in diesem unfairen System zu ändern. Sei es Familien zu unterstützen (mit oder ohne behinderte Kinder – denn das ist ja auch wieder ein Thema für sich, wie alleine der Staat einen in solchen Situationen lässt) oder Kindern zu ermöglichen einen anderen Weg einzuschlagen (evtl. einen sicheren Weg, wenn sie von diesem abgekommen sind) um sich ihre Träume zu erfüllen.

Ich mag eine Träumerin sein, was das angeht. Aber ich habe viel zu lange das, was mir gefällt hinten angestellt, um Geld zu verdienen. Ich will mir vom Staat nicht mehr suggerieren lassen, dass meine Arbeit weniger wert ist als ein stupider Lagerjob! Ich will es auch nicht hinnehmen, dass Familien mit Kindern sich dem Arbeitsmarkt anpassen müssen! Eltern hätten eine sehr große Lobby in diesem Land, nutzen diese nur kaum oder gar nicht oder nicht richtig – irgendwas ist immer. Ich erinnere mich noch an einen -dummen- Artikel in der BILD (ich weiß, die sind alle dumm, aber der war superdumm *bitte mit der Stimme von Friedrich Lichtenstein vorstellen*) von 2015. Der Titel lautete:

Unbenannt.PNG

Als Antwort auf die drei tollen und wahrscheinlich lang überlegten Fragen, kann ich nur antworten: Nein! Nein! Und nein! Es geht nicht ums nicht wollen, sondern eher ums nicht können. Der Staat stellt einem viel mehr Hindernisse in den Weg, als dass er begehbare Wege anbietet. Und das ist dann einfach unattraktiv! Schade eigentlich. Gerade im Sozialen Bereich ist eine Familie nicht wirklich drin – im Büro hätte ich das locker realisieren können.

Ich will das ändern. Und wenn ich nur einen kleinen Teil dazu beitragen kann – evtl. ein Beratungszentrum (huch eine Idee) für Eltern und Kinder in schwierigen Situationen. Dann habe ich wenigstens etwas versucht und nicht nur zugesehen, wie man mir meine Berufung kaputt macht.

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